DAS GEHÖR

Was ist Hören?

Vereinfacht gesagt: Akustische Signale dringen als Schallschwingungen von unserem Außenohr über das Mittelohr (Trommelfell und Gehörknöchelchen) zu den Nervenzellen des Innenohres. Die Nervenzellen wiederum transportieren die Signale an unser Gehirn.

Was ist Verstehen?


Unser Gehirn kann die erhaltenen Signale erst einmal nicht deuten. Denn hierbei handelt es sich um einen Lernprozess, der bereits im Mutterleib beginnt. Verstehen ist also erlernt und nicht organisch gegeben.

So verfeinern wir im Laufe unseres Lebens immer mehr die Deutung von Lauten. Etwa das Erkennen von feinsten Unterschieden in der Betonung der menschlichen Stimme. So können wir nur anhand der Tonlage etwa zwischen Freude, Enttäuschung und Trauer unterscheiden.

Auch die Präzision in der Unterscheidung bestimmter Laute ist ein Zusammenspiel aus funktionierendem Hörorgan und erlerntem Verstehen. So gelingt uns die Unterscheidung etwa zwischen den Wörtern List, Mist, Rist mit dem Gehörorgan. Die Bedeutung des jeweiligen Wortes ist jedoch erlernt.

Was passiert bei verminderter Hörleistung?

Nimmt die Leistung unseres Gehörorgans ab, verlernt das Gehirn mit der Zeit auch die Deutungsvielfalt. Wir hören nicht mehr alles und müssen öfter nachfragen, um besser zu verstehen. Bei gesprochenen Sätzen, in denen nicht alle Wörter verstanden werden, versuchen wir aus Erfahrung den Kontext des Satzes richtig zu deuten. Das gelingt zunehmend schlechter und die Unterhaltung mit anderen wird mehr und mehr erschwert.

Mögliche Folgen

Soziales Umfeld: Wir bemerken, dass uns Unterhaltungen schwerer fallen. Verstehen ist nicht mehr selbstverständlich sondern mit Anstrengung verbunden. Möglicherweise suchen Freunde und Familienmitglieder immer seltener das Gespräch mit uns. Es erscheint also am einfachsten, sich immer mehr zurückzuziehen. Dadurch entziehen wir uns den Reizen von Lauten und unser Gehirn verliert weiter an wichtigen Erfahrungen. Ein Teufelskreis, der zu sozialer Isolation führen kann.

Berufliches Umfeld: Neben den sozialen Einschränkungen, die auch im Kreis der Kolleginnen und Kollegen Gültigkeit haben, können verminderte Hörleistungen zur Gefährdung im Beruf führen. Wenn Warnsignale nicht mehr oder nicht rechtzeitig gehört werden, kann das Risiko von Sachschäden und/oder sogar Personenschäden zunehmen und zu schwerwiegenden Folgen führen.

Straßenverkehr: Die sichere Teilnahme am Straßenverkehr wird auch maßgeblich vom Hören bestimmt. So können wir mit einem gesunden Gehör schon anhand der Geräusche erkennen, ob und aus welcher Richtung sich ein Fahrzeug nähert. Ist die Hörleistung eingeschränkt, nehmen wir diese Warngeräusche nicht oder zu spät wahr. Das Unfallrisiko steigt!